Niki – leitet das griechische Team
Niki ist Anwältin und leitet das griechische Team von Equal Rights. Sie war 2018 die erste griechische Anwältin der Organisation auf der Insel Chios. Mit ihrem Einstieg begann der Aufbau eines hochqualifizierten griechischen Anwält*innenteams, das Menschen auf der Flucht kostenlosen Rechtsbeistand bietet, um ihre Rechte erfolgreich bis vor die höchsten Gerichte Europas zu verteidigen.
„Schon eine Wasserflasche an Asylsuchende vor der Registrierung zu geben, kann kriminalisiert werden – jeder Schritt kann ein Risiko bedeuten.“
Niki erklärt, dass selbst grundlegende humanitäre Hilfe inzwischen strafrechtlich riskant sein kann. Neue griechische Migrationsgesetze richten sich zunehmend gegen NGOs: Sie sehen Strafen von bis zu zehn Jahren Haft und Bußgeldern von über 50.000 Euro vor, wenn Unterstützung als „Beihilfe zur irregulären Einreise oder Ausreise“ gewertet wird. Für registrierte NGO‑Mitarbeitende gelten sogar härtere Strafen. Selbst rechtliche Schritte gegen staatliche Maßnahmen können dazu führen, aus dem offiziellen NGO‑Register gestrichen zu werden. Als Teamleiterin muss Niki ständig abwägen – doch sie betont: Angst darf nicht darüber entscheiden, ob Menschen rechtliche Unterstützung erhalten.
„Dass unser Büro trotz des feindlichen Umfelds sofort an der Seite der Opfer und Überlebenden des Schiffsunglücks von Chios stand, macht mich sehr stolz.“
Für Niki verkörpert dieser Moment den ethischen Kern der Organisation. Trotz politischem Druck, rechtlichen Risiken und offener Feindseligkeit gegenüber NGOs entschied das Team sofort, die Überlebenden des Unglücks im Februar zu unterstützen. Für sie ist das ein Beispiel dafür, Prinzipien auch unter extremem Druck treu zu bleiben – und ein Grund tiefer beruflicher Zufriedenheit.
„Unsere Präsenz auf den Inseln und der tägliche Kontakt mit den Behörden ermöglichen es uns, Praktiken zu beobachten und zu dokumentieren.“
Für Niki ist klar: Nur wer vor Ort ist, kann Missstände erkennen und belegen. Die tägliche Zusammenarbeit mit Behörden erlaubt es Equal Rights, Entwicklungen zu verfolgen, die sonst im Verborgenen bleiben würden. Monitoring ist für sie ein zentraler Bestandteil der Arbeit – es schafft Transparenz in einem System, in dem Rechtsverletzungen leicht unentdeckt bleiben.